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zvedalinka zeigt seit Monaten nur noch ihre Heranwachsenden
statt dem stark geschminkten Bild von sich selbst
die neue Liaison mit dem quergestreift russischen Matrosen aus den 70ern scheint zu fruchten
obwohl dessen Stahlblick mich fürchten macht

liljliana ist aus den USA unglücklich glücklich zurück in Festlandeuropa

brokefashionofficial präsentiert zuverlässig ihren Arsch optimal
so wie jeden Tag – perfekt
obwohl ich mich frage, warum sie jeden Tag mehrere neue Fotos macht davon
eines würde doch reichen für alle Zeiten

jeanne_D_arc hockt am Morgen der Schlacht
im feuchten, kühlen Gras
neben ihrem Zelt
die Angst frisst sich durch ihre Eingeweide

ketomonk zeigt uns erneut
wie sie sich yogamäßig optimal verbiegen kann
auf einer Fläche von fünf mal fünf Zentimetern
eindrucksvoll!
ich würde es gerne nachmachen können
und schickt auf Spanisch Grüße:
om shanti!

walter_ben_novus schleppt sich
von französischer Seite her den Pyrenäenweg hinauf
begleitet von einer jugendlichen, spanischen, antifaschistischen, republikanischen Soldatin
im Gepäck hat er einen neuen Engel
er wird auf spanischer Seite nie hinabsteigen

glamgrlz bekommt von mir als einzige:r von allen ein Herzchen
für sein:ihr neues sexistisches Manga – sie:er ist unheimlich konsequent
ich bekomme dafür verlässlich im Tausch auch ein Herzchen
für irgendwas
Wurscht was

margareta_poreta kniet in ihrer kalten Zelle
die vom Kreuzgang weggeht
das Schmerzen ihrer Knie spürt sie schon seit Jahren nicht mehr
sie empfängt dafür die göttliche Schau in Form von Flammenzungen
die zu ihr sprechen
sie schreibt alles auf, was sie so versteht, hastig tage-, nächtelang
mit einer Feder und einem Tintenfass
es riecht nach Fisch
so lange bis ihr die Nieren versagen
doch das Wichtigste hat sie erfasst

brima_seidenschnur zeigt den Kölner Dom in Nebel gehüllt
warum nur, fällt mir wieder ein
haben die den so nah am Bahnhof gebaut?
Endstation: Quasimodo ruft nach Stella

thomasius_morosius schreibt Utopia
ein Mann zu jeder Jahreszeit
und weigert sich beharrlich die weitere Heirat des Königs anzuerkennen
Kopf ab dafür
doch das Wichtigste hatte dieser Kopf ja schon erfasst

Die Werbung für veganen instant-Fleischersatz
bringt mich dazu mit Paypal vier verschiedene Packungen zu bestellen:
Würstchen mit Wiesenkräutern, Burger, Hack, Frikadellen
auf Cevapcici verzichte ich
das mag ich schon in der Muskelfaserversion nicht
kann mir nicht vorstellen
dass es als Erbsenfasern besser wird

Obergefreiter_Schafroth339.Inft.Dvs gehört zum Exekutionskommando
an jenem kühlen Oktobermorgen nahe Charkiw
stehen sie in der Wiese, das Gewehr im Anschlag
Was soll er tun? Was soll er nur tun? Was kann er nur tun um Himmels willen?!
Er zielt über Kimme und Korn
da ist die Brust
dahinter schlägt ein Herz
noch
„Feuer!“
Es wird ein schöner Herbsttag
weiß leuchten die Birkenstämme
gelbfeurig ihr Laub:
„Feuer!“
er wird sich totgesoffen haben

lastwetake sieht perfekt aus
in irgendeiner Berliner Müllecke als Kontrast
zu ihrer ebenmäßig gepflegten Schönheit
künstlerisch
doch irgendwas lässt mich an den Arsch von brokefashionofficial denken

rosa_lux treibt am Januarmorgen
im Eiswasser des Landwehrkanals
den Blick in den Himmel gerichtet
es ist ein anderer Himmel
in den sie blickt
sie sieht die Sterne auch am Tag
das Blut aus der tödlichen Schlagwunde an ihrem Kopf
mischt sich schön mit dem eiskalten Wasser
hie und da bildet es hellrote Kristalle um ihr Haupt
als würde ihr eine Krone wachsen

daily_allgaeu zeigt Schloss Neuschwanstein
erhaben nutzlos schön im Morgennebel vor siebenschichtiger Alpenkulisse
ich halte es kaum aus
von so viel Vokalen auf einmal
irgendwas lässt mich an den Arsch von brokefashionofficial denken

Hannes_Flint hatte es zwar über den Atlantik geschafft
auf der Flucht vor den Nazis
mit dem gelockten Jungen im Bauch seines Schiffes
untergetaucht in den Barrios von Buenos Aires
kann sie die peronistische Geheimpolizei dennoch aufspüren
und verderben

miliana.prado – die kenn ich nicht
die hat mir der Algorithmus reingemogelt
beißt in ihr Kopfhörerkabel während sie in die Kamera blickt

freddy_neat_che lässt Zarathustra donnernd sprechen
es kracht im Gebälk des Universums
bevor die Syphilis Freddy den Verstand raubt
ihr grausiges Haupt ins Sternbild reckt
und sich aus dem Staub macht damit
irgendwas lässt mich an den Arsch von brokefashionofficial denken

wordology belehrt mich in drei Zeilen unter den Hashtags
#fuckology #shitposts #wordsofwisdom #wordporn #perfectsayings
die die Worte „sex“, „song“ und „eye“ enthalten zuzüglich eines Feuer-Emojis
plus einer vierten Zeile
in der „wordology“ steht
wie es eigentlich und wirklich sei
und hat schon 8.409-mal ein Herzchen dafür erhalten
jetzt hab ich es endlich auch erfasst!

Schmerz

Schmerz ist reine Gegenwart. Im Schmerz vergegenwärtigt sich der Leib total. Er drängt sich vor den Geist – mit seiner Fähigkeit zur Zeitlosigkeit, seiner Fähigkeit zum Verweilen in der Vergangenheit oder in der Zukunft – allzu selten in der Gegenwart, wenn überhaupt je. Der Schmerz schiebt sich im akuten, im aktuellen Schmerzen vor den Geist wie die dunkle Scheibe des Mondes vor die Sonne bei einer Sonnenfinsternis. Nur hat er, der Schmerz, anders als der Mond, sein eigenes grelles Strahlen. Der Schmerz strahlt aus. Der Schmerz überstrahlt – wenn er schier nicht mehr aushaltbar ist – alles. Er fordert seine Gegenwart ein. Der Schmerz lässt den Leib durchbrechen.

Wer ist es, der den Schmerz versucht auszuhalten? Es ist der Geist, das Bewusstsein. Wird der Schmerz zu stark, um ihn auszuhalten, so schwindet das Bewusstsein. Es wird sich seiner Machtlosigkeit bewusst und, akzeptiert diese und fällt in Ohnmacht. Wie reagiert der Geist auf den Schmerz des Leibes? – Eine oft gewählte Möglichkeit ist, ihm zu entfliehen, denkend, träumend sich aus der Gegenwart zu stehlen und Zuflucht zu nehmen in die Vergangenheit oder in die Zukunft, in die Einbildung, die Imagination. Doch der überstarke Schmerz bricht wieder durch den Schleier der Illusion hindurch und fordert unerbittlich Gegenwart. Er lässt nicht mit sich verhandeln. Er lässt sich nicht verdrängen. Er lässt sich nur ansehen. Geschieht dies, begibt sich der Geist ins Ansehen des Schmerzens des Leibes, so sind beide in der Gegenwart. Gegenwart ist der beständige Punkt an dem die flüssige, amorphe, unbestimmte Zukunft zu Vergangenheit gerinnt. Sie ist das immerwährende Jetzt, das tätig das Gleich in das Vorhin überführt. Das Gleich ist ohne Form, kann jederzeit zu allem Möglichen werden, das Vorhin ist fest, unveränderlich. Im Jetzt, in der Gegenwart findet diese Verwandlung statt, von veränderlich unbestimmt zu absolut unveränderlich bestimmt. Im Jetzt findet dieses Fließen und Gerinnen statt.

Im Schmerz, im Schmerzen, dem Vorgang, dem Vorgehen des Schmerzes hat reines Jetzt in seiner erfahrbaren Form statt. Es ist die Signatur des Lebens, die sich schmerzvoll, schmerzend andauernd dem Bewusstsein einprägt. Schmerz ist die Vergegenwärtigung des Lebens.

Wollen wir den Schmerz? Heißen wir ihn willkommen? – Nein, natürlich nicht. Er tut weh. Er quält uns, er zwickt uns, er sticht uns, er beißt uns, er zerreißt uns, er raubt uns den Atem. Er lässt uns weinen. Es ist ohne Gnade. Er ist brutal. Er ist hart. Er hat keine Süße für uns, keine Wärme, keinen Trost. Wir wollen ihn nicht. Er soll wieder weggehen, bloß weggehen. Schmerz ist für uns so sehr von übel, dass wir ihn nicht erinnern können. Wir können ihn kennen, wir können uns an seinen Schrecken erinnern, wir fürchten ihn deshalb. Doch ihn selbst können wir nicht erinnern. Natürlich nicht, denn er ist reine Gegenwart, er ist das Fließen der Zeit selbst, das wir im Schmerzen betrachten, spüren, wahrnehmen, wo er uns zwingt hinzusehen, wo wir doch allzu gern nicht dort verweilen, sondern viel lieber woanders als jetzt, im Später oder im Damals. Wir wollen den Schmerz nicht, darum haben wir Mittel erfunden, ihn auszuschalten. Nicht ihn selbst schalten wir aus, unser sein Spüren schalten wir aus. Wir verhindern sein gegenwärtig Sein. Wir rauben uns selbst das Bewusstsein von unserem eigenen Bewusstsein im Schmerzen, bevor er uns zwingen könnte uns unser selbst bewusst zu werden in unserem gebrechlichen jetzt-Sein.

Eine große Lehre des Yoga sei es, dass alles Leid davon käme, dass wie es jetzt gerade sei nicht so sei wie wir wollten das es sei. Vielmehr: dass wir zu sehr es meist anders wollten, als wie es gerade sei. Diese Dissonanz zwischen dem so-Sein und dem sein-Sollen brächte all unser Leid hervor. Wir müssten schlicht annehmen wie es sei. Das sein-Sollen ist eine mögliche – oder unmögliche – wir wissen es nicht, wir wissen es nie, Zukunft. Das so-Sein ist das Jetzt. Das Jetzt, ganz so wie es ist. Im Schmerz bricht sich das so-Sein Bahn – jedoch als reine, grausame, harte Negation: „Nein, es ist nicht so wie du willst, dass es sei, doch es ist, ich bin. Ich schmerze, ich sage „nein“, also bin ich.“

Die Hand legt sich warm auf die schmerzende Stelle, hüllt sanft, liegt leicht. Sie kann den Schmerz nicht nehmen. Sie kann den Schmerz nicht negieren. Keine Negation der Negation. Sie kann ihn nicht aufheben. Aber sie kann ihn aufnehmen. Sie stimmt mit ein ins Schmerzen. Sie stimmt zu. Sie bejaht das Schmerzen wie den Schmerz Leidenden. Sie ist kein Analgetikum. Sie ist schlicht nur da. Sie ist jetzt da. Sie ist die Positivität des Jetzt als Gegenstück zur Gegenwart der Negativität im Schmerz. Sie steht bei, sie ist dabei, sie ist mit da. Sie will nicht wegwischen, keine schnelle Geste. Sie bleibt und ist jetzt, so wie der Schmerz jetzt ist. Sie kümmert sich, leidet im Kummer mit, fügt sich mit ein, schmiegt sich an, anverwandelt sich dem Schmerz, füllt die leeren Stellen, schließt Offenes, indem sie an die Stelle des entsetzt staunenden Nichts tritt, das der Schmerz in seinem anders-Sein als dem sein-Sollen – der „Gesundheit“ – brachial schafft.

Die Hand nimmt den Schmerz nicht. Womöglich lindert sie noch nicht einmal. Aber sie hilft den Widerstand zu nehmen gegen das Jetzt, gegen das so-Sein:

„Ich bin da, mit dir, also sind wir – jetzt, immer gerade jetzt.“

Chaos

silvery, silvery
the balloon rises high
when she snaps her fingers
brightly glowing the sun melts
orange on the hot glass
the thick mass dripping from the edge
burning a hole into the blue and white
that was sprinkled
in tiny wooly flocks
here and there
by a pale thin hand

softly, softly
but with no intention to return
the crack breaks wider and wider
begins to draw a net over her face
like if it were Vermeer
who was waiting for 300 Spartan years
to see the result of his colors’ drying

patiently, patiently
the pony waits the rain to end
and then waits his flanks to dry
while the snowy summits
mirror in his eyes

white sharp zig-zagging
on the unlimited surface
of a deep-black pearl

golden, golden
golden flies the feathered flash
shot from the marble rainbow
with that plinking-planking sound
made by colorful strings
while a smile arises
and from the halls of fame
a whispering of thousand voices
swells
murmuring a familiar name

Don’t show – tell!

der Blick versperrt den Blick
aufs Wesentliche
wenn wir nur starren aufs Starren
erstarren die Dinge im Bild
gerinnen im Kristall
gefangen
gleich wie flüssig auch immer

der Sprache verschlägt’s die Sprache
wenn sie nur schweigen kann
vom Unsagbaren
träge ist der Schall und schwach
bricht sich an Mauern
zerbricht in Echos
echot im Zerbrochenen

als die Sprache noch
Gesang war
noch nicht Gedanke
war sie nah und warm
Magie

das war
als der Blick noch ging
von innen nach außen
als wir noch nicht herumstanden
in unseren eigenen Bildern
sondern geborgen waren
im Anblick derer, die
uns liebten

Brim Broker: Sweeping the crumbs from the timetable

torn tale

Brim Broker looked on the hourglass on his wrist then back into the petri dish. The sweet tiny mutants haven’t mutated now for more than twenty-four hourglass-turns. They again seemed having reached their intermediate state of stability. Brim Broker took a sip out of his coffee-cup, which was with 372,15 degrees Kelvin still too hot (he had brewed it in the laboratory’s nuclear hyper spin pile) and burnt his upper lip and a part of his handlebar moustache. His handlebar moustache was all his pride, formerly his upper lip was too, as he used to bee a famous kisser. But since he gave up the kissing-thing due to too much heart-diseases connected with that, the status of his lips wasn’t any more that important to him. Another glance on the hourglass told him, that he had to turn the hourglass, and so he did. The hourglass had to be turned every forty-fifth split second. This may sound like a very small period to us, but as Brim Broker was chief laboratory engineer of the MAGTIME – the magnificent time magnifying experiment – and since he sat already since fivethousandfivehundred split seconds right in the middle of that experiment, such for us very little period felt to him like an entire day.

The MAGTIME was setup when they had discovered that our time here on this marvelous habitat called earth is limited. Before people were living as if everything were for free and unlimitedly available. But no, they realized that nothing is unlimited. Water is limited, air is limited, time is limited, even the use of data is limited and also love is limited. For everything there is just a certain amount available to be consumed. When the limit is reached, it is done. They realized that everything will come to an end. That astonishing discovery was made by a little girl named Brinda sitting on a windowsill, while she was watching the perfectly full moon in a bleak midwinter’s night. The discovery could be reduplicated on numerous occasions on other places and times by other persons, boys and girls sitting worldwide on windowsills, watching the perfectly full moon and having the same illumination: everything is limited, everything has an end.

Thus, there has been set up the MAGTIME, an experiment to find out if there is any possibility to avoid the problem of limited time by expanding time through “gonflage internale”. “Internal blow-up” – a French term first used by the 18th century philosopher Antoine Honoré de Brouboncourt, who in several obscure essays worked on the idea of expanding time by slowing it down. In his century de Brouboncourt was treated as an outcast, following weird and dangerous ideas and consequently he ended up in a lunatic asylum. Funny enough that the discovery of the limitation of everything, which lead back to Brouboncourt’s obscure ideas, has been made by girls and boys watching the MOON (luna!).

Brim Broker had discovered in several experiments, that mutating time-particles were responsible for the ongoing of time. His theory was, that if he could hinder the time-particles to mutate or if he were able to slow down the mutation process, he would be able to stop time or at least to decelerate it. He also had discovered that the time particles live in the cells of our bodies.

Brim already had made some efforts in slowing down the time, mainly by inventing the hyper-time-compressor-pile, the HYTCOMP. But it firstly used large amounts of energy – which also is limited, the MAGTIME only was one amongst several experimental efforts to unlimit the amount of time, water, air, data and love. Even worse was, that secondly the through the HYTCOMP in the experiment gained amount of time had to been paid back in the very moment, when the experiment ended. The longer an experimental phase of time-expansion or -compression – which seems to be a contrary but in reality is the same – the longer such phase lasted, the bigger was the lack of time after. So, for example after such an experiment Brim came notoriously too late to work for weeks, as he always was in lack of time. It seemed that he had to pay back personally the gain of time in the experiment afterwards. The problem was circular and tautologic: Anything which has an end cannot be endless. Thus, Brim should have invented the never-ending-experiment to solve the problem of ending, an impossible thing to do: You already have to have the solution to find the solution – no way!

Brim rubbed his burnt, aching upper lip. Suddenly he had the idea: Hastily he grabbed his phone, browsed hastily his contacts. There she was: Anin Bruma! – The last girl, by whom he had been kissed. His memory of her kisses was still as vital as if it had been just the day before. He hadn’t talked to Anin since their last kiss, since already … he wasn’t able to count the uncountable split seconds which had been passed since, the billions of billions of time-particle mutations in his cells since that last kiss, which has been also his own last kiss. Unexpectedly the phone didn’t even ring one single time and someone picked up the phone at the other end saying in this indescribable warm voice, letting the “r” roll and vibrate: “Brrrrim? Is it you?”

The other day Anin came into Brim’s laboratory and the experiment was successful: As soon as Anin and Brim started kissing, the time-particles stopped to mutate, and they kept not mutating as long as Luna and Brim kept kissing. – So, they decided not to stop kissing and surely, they still kiss, as they can’t die if they kiss. The solution has already been there, since ever, forever.